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Lehre

Kann man Entwerfen lernen?
Die Fragestellung, ob ein kreativer Schaffensprozess erlernbar ist, dürfte so alt wie die Tätigkeit selber sein. Der architektonische Entwurf als individuell bestimmter Ausdruck des Gefühls von Proportion, als Haltung zur Stadt, schlichtweg die Kunst Raum zu artikulieren (Eco), ist vielleicht nicht erlernbar - Entwurfsmethodik und Entwurfsprozesse lassen sich aber sehr wohl verobjektivieren und somit auch, in Architektur übersetzt, erlernen. Das projektorientierte Studium der Architektur an der Hochschule schafft hierfür die Basis. Der kreative Schaffensprozess des Entwurfs des Studierenden wird im Moderationsprozess durch den Lehrenden begleitet – Die Analogie zur Akademieausbildung ist augenscheinlich.
Im individuellen Gespräch werden Motive ergründet, persönliche Absichten und Stärken ans Licht geholt (Jäger); in den Präsentationen diskutiert die Gruppe den jeweiligen Entwurfsfortschritt. Das Wissen der Anderen wird mit dem eigenen abgeglichen und angeeignet und fließt schließlich in den zukünftigen Entwurfsprozess mit ein.
Steht doch beim Studium des Entwerfens nicht das Erlernen von Wissen, sondern eher das Sammeln der eigenen Erfahrungen im Mittelpunkt, denn nur das Wissen, das man eigenständig erlangt, ist von nachhaltigem Wert (Dewey). Entwerfen versteht sich somit auch nicht als erlernbares, ingenieurtechnisches Phänomen, sondern als ein durch intensive Auseinandersetzung über die Zeit aneignenbares kulturtechnisch- und kulturtheoretisches Phänomen.

 

Literatur:
Schaffensprozesse X
Dagmar Jäger, in: GENERALIST, Darmstadt, 2010

Einführung in die Semiotik
Umberto Eco, München, 1972

An Introduction to the Philosophy of Education
John Dewey, New Yorck, 1922