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Hochschule RheinMain :: Städtebau und Gebäudelehre: Wie Wohnen
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Wie Wohnen

"Wie Wohnen - Studie zur strategischen Bestandsentwicklung im Wohnungsbau"  (2013 - 2016)

Zu dem Forschungsprojekt ist im Oktober 2016 eine Buchpublikation unter dem Titel DIE SIEDLUNG IN DER STADT  – Umformulierung eines ungeliebten Raummodels, im JOVIS Verlag, Berlin, erschienen.  



Forschungsvorhaben
Das Lehrgebiet für Städtebau bearbeitet aktuell ein Forschungsprojekt mit dem Titel „Wie Wohnen – Strategische Bestandsentwicklung im Wohnungsbau“. Diese Arbeit soll die urbanen Potentiale moderner Siedlungen der Nachkriegszeit stärker ins Blickfeld rücken und ganzheitliche Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen, die über die übliche Praxis der architektonischen Sanierung hinaus gehen und die monostrukturell angelegten Siedlungen als ein Stück Stadt und Teil von Stadt begreifen und auszubauen suchen.

Themenfeld
Moderne Siedlungen (der sog. Nachkriegsmoderne der 50er- 70er Jahre) werden einem zeitgenössischen Stadtbegriff folgend meist als anti-urban empfunden. Entgegen dem geltenden Leitbild sind sie nicht dicht, durchmischt und vielfältig. Stattdessen folgen sie in ihren Zeilenbauten dem funktionalistischen Leitbild nach Luft und Sonne. Sie sind meist monostrukturell, sowohl in der Architektur als auch in der sozialen Zusammensetzung ihrer Bewohner. Der Grünraum ist der neutrale Hintergrund einer Architektur als Objekt, oft sind dies schlicht ungenutzte „Resträume“. Diese Siedlungen sind nicht nur im Hinblick auf das städtebauliche Leitbild sondern auch hinsichtlich ihrer Bausubstanz in die Jahre gekommen. Aus der negativen Wahrnehmung dieser Form von Stadtstrukturen heraus werden sie vielerorts abgerissen. Im Falle einer Sanierung erfolgt diese oft nur nach energetischen Aspekten. Dabei werden die Siedlungen als autarke Einheiten, isoliert als Architektur, nicht als Städtebau gehandhabt. Mit beidem, dem Abriss, wie auch der rein architektonischen Gebäudesanierung wird man dem Potential dieser Siedlungen als Stadträume aber nicht gerecht.

Denn im Gegensatz zum aktuellen Trend einer „low rise – high density“ Entwicklung mit großen Wohneinheiten auf minimierten Grundstücken bieten die inzwischen historisch gewordenen Siedlungen große Grünflächen und Freiräume. Insbesondere diesen unternutzten Freiflächen kommt ein besonderes Potential auf veränderte, teilöffentliche und Teilöffentlichkeit stiftende Nutzungformen zu, die sich in der Architektur ergänzen und ausbauen lassen. Durch die vorhandene Bausubstanz und den damit dem Neubau gegenüber niedrigeren Entwicklungskosten ist dieses „Modell“ des Erhaltens als möglich anzusehen.

 

Projektteam
Prof. Volker Kleinekort, Projektleitung und Projektkoordination, Forschungsbereich Städtebau und Infrastrukturräume
Prof. Astrid Schmeing, Hochschule Darmstadt, Lehrgebiet für Städtebau, Forschungsbereich Wohnungsbau und Zwischenstadt
Dipl.-Ing. Univ. Iris Scherer, Wissenschaftliche Mirarbeiterin
Annika Griewisch, Katahrina Körber, Vanessa Karl, studentische Mitarbeiterin

Die genannte Publikation basiert auf diesem kooperatieven Forschungsprojekt

Die Siedlung in der Stadt
Umformulierung eines ungeliebten Raummodels
Volker Kleinekort / Astrid Schmeing
JOVIS Verlag, Berlin 2016
ISBN 9 78­3­ 868 59­3 95­2

Gestaltung und Satz: studioheyhey, Frankfurt am Main

 

 

Strategien gegen die Unsichtbarkeit von Siedlungen der Nachkriegsmoderne - Randnotizen zu einer Forschungsarbeit von Volker Kleinekort und Astrid Schmeing

Von Prof. Dr. Frank R. Werner

Wer kennt sie nicht, die vielen städtischen Siedlungen der Nachkriegszeit, deren zeilenartige Baublöcke meist wie verloren in sterilen Grünräumen herumstehen. Anfänglich waren sie ziemlich beliebt, weil man hier relativ zentrumsnah preisgünstig in aufgelockerten Siedlungsstrukturen leben konnte; frei nach Le Corbusiers Vision einer  „Cité radieuse“. Richtig urban waren diese Siedlungen freilich nie. Weshalb sie auch nie als konstituierende Teile der Stadt wahr- und in Gebrauch genommen wurden. Stattdessen verkörperten sie gleichsam „unsichtbare“ antiurbane Gebilde innerhalb unserer Städte. Mittlerweile in die Jahre gekommen, bestand erheblicher Sanierungsbedarf. Meist wurden die Siedlungen deshalb modernisiert, sprich energetisch ertüchtigt, stadtgestalterisch „aufgehübscht“ oder gar zeitgeistig überformt. Nur eines wurden sie dabei nicht: urbaner.

Genau dieser negative Aspekt war Ausgangspunkt einer wichtigen Studie, die Volker Kleinekort und Astrid Schmeing kürzlich vorgelegt haben. Ihr Titel  „Die Stadt-Siedlung in der Stadt - Umformulierung eines ungeliebten Raummodells“ verrät Programmatisches und ist das Resultat eines staatlich geförderten Forschungsprojektes.  Kleinekort und Schmeing geben sich in Anbetracht zunehmend verknappter preisgünstiger Wohnräume und antiurbaner Kapitalisierungen ganzer Stadtareale nämlich nicht zufrieden mit dem Status quo solcher Siedlungen. Stattdessen betrachten sie letztere als willkommene Ressource und potenzielle Reservoire für eine grundlegenden Re-urbanisierung dieser „Lost Territories“. Um deren „Relaunch“ in Gang zu setzen, bedarf es nach Ansicht der Verfasser zunächst einmal neuartiger Analyseverfahren, um die urbanen Potenziale der einzelnen Siedlungen innovativ herauspräparieren zu können. Anhand einer analytischen Betrachtung von fünfzehn ausgewählten Siedlungen in Herten, Frankfurt, Darmstadt und Karlsruhe entwerfen sie fallweise „strategische Bestandsentwicklungen“, deren Präzisionsgrad weit über den konventioneller Entwicklungsmodelle für solche Siedlungen hinausgeht. Sukzessive leiten sie daraus Instrumente und Mittel ab, deren Anwendung sie am Beispiel von vier ausgewählten Siedlungen in drei Städten (Herten, Frankfurt, Darmstadt) exemplarisch vorstellen und überprüfen. Zu guter Letzt konkretisieren Kleinekort und Schmeing die Essenz ihrer Re-Urbanisierungsstrategien sogar in einer gleichermaßen präzisen wie überzeugenden Entwurfsidee für die Frankfurter Märchensiedlung.

Anstelle eines Fazits stellen die Verfasser mithin einen Entwurf vor, der nach ihren Worten „eine spezifische Form von Wissen produziert, das sich von einem Text oder einem gesprochenen Wort grundlegend unterscheidet und durch diese nicht ersetzt werden kann. Es ist ein Wissen, welches die künftigen Eigenschaften des transformierten Raumes in einem hohen Ausmaß vorwegnimmt.“

Bei der vorliegenden Studie handelt es sich also weder um ein stadtplanerisches Coffee-table-book noch um eine Ansammlung städtebaulicher Sonntagsreden. Stattdessen brilliert diese durchgängig überzeugende Forschungsarbeit auch optisch als ein lebendiges Storyboard mit inhaltlich äußerst präzise positionierten Texten, Piktogrammen, Schwarzplänen, Isometrien, Fotomontagen oder Diagrammen. Nolens volens verkörpert diese Studie damit eine Art von „Toolbox“ für innovative urbane Strategien zur Rückgewinnung von Urbanität, und das sowohl in intellektueller als auch haptischer Hinsicht. Man kann den Autoren daher nur zustimmen, wenn sie feststellen: „Zusammengefasst ergibt sich aus den Aspekten und Argumenten ein  deutlich anderer Blick auf die Siedlung der Nachkriegsmoderne. Anstatt als reines ‚Gegenmodell’ zu Stadt erscheint diese als Alternativangebot, das Wahlfreiheit gebietet. Die Aspekte, die zur Stärkung dieser Wahlfreiheit beitragen, will die vorliegende Publikation herausarbeiten.“ Weshalb dieser fundierte Forschungsansatz  künftig eigentlich in keinem einschlägigen Bücherbord fehlen sollte. Schließlich hat Kleinekorts und Schmeings Buch durchaus das Zeug zu einem Standardwerk.