Zurueck

Masterstudiengang

Architecture - Revitalization  (Master of Science)

REDUCE REUSE RECYCLE. "Die Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen ist in Deutschland zur wichtigsten Aufgabe der Architekten geworden. Großmaßstäbliche Schrumpfungs- und Umlagerungsprozesse müssen gesteuert werden, die gigantischen Baumassen der Nachkriegszeit stehen zur Sanierung an. Die in der Bausubstanz gespeicherten Energien und Ressourcen – die inhaltlichen, kulturellen, sozialen und historischen – müssen neu bewertet werden". Mit dieser Situation setzte sich unter dem oben genannten Titel der deutsche Beitrag für die Architekturbiennale in Venedig 2012 auseinander.

Die heutigen Voraussetzungen auf dem Feld des Städtebaus erfordern ein Umdenken in der Form der Entwicklungsperspektiven. Die bisher zumeist auf Leitbildern basierenden Entwürfe erfahren große Probleme in der Prozessualität ihrer Umsetzung. Mehr denn je gilt es die Organizität, also eben jene Prozesshaftigkeit, dessen anzuerkennen, was man als Stadt zu bezeichnen gewohnt ist.

Städtebau entwerfen heißt somit, den Ausschnitt eines größeren Ganzen zu entwerfen, das selbst nicht mehr die Stadt, sondern ein sich stets entwickelndes polyzentrisches Netz von Siedlungsstrukturen ist. Eine wesentliche Qualität städtebaulicher Entwürfe misst sich in ihrem Verhältnis zu diesem größeren Ganzen, nicht nur als baulicher, sondern auch als gesellschaftlicher, sozialer, und ökonomischer Kontext. Denn Bestand und Programm stehen immer in einer unmittelbaren Wechselbeziehung. Da es den geschichtslosen Ort in unserer Kulturlandschaft nicht gibt, ist Bauen heute immer Umbauen.

Das Weiterentwickeln von Bestehendem erfordert aber eine andere Methodik als das Neue - Die qualitative Analyse des Kontexts, und hier ist nicht zwingend das Gebaute gemeint, ist bereits Teil des Entwurfsprozesses. So wird die Formulierung der Aufgabenstellungen ein zunehmend bedeutender Teil der Arbeit von Städtebauern und Architekten sein. Es gilt bereits die Nutzungs- und Programmdefinition eines Ortes als Teil des Entwurfes strategisch mit zu gestalten.

Forschungsbereiche und Lehrinhalte am LST
- Analysemethoden im Stadtraum (Immobilienentwicklung, Wohnungsbau, Stadtgeschichte und Quartiersentwicklung) 
- Untersuchungen zu Stadtdynamiken an Fallbeispielen  (urban.research Seminare an europäischen Beispielen)
- Stadtentwicklungsszenarien  (Entwurfsprojekte als "case study")

 

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Entwurfsmethodik Einfügen
Wintersemester 2017/2018. Prof. Volker Kleinekort, Kurs M511

 

Im Masterstudiengang werden die Fächer zum Stadtumbau (Grundlagen und Strategien städtebaulicher Revitalisierungsprozesse) im Wintersemester 2017 / 2018 vom Lehrgebiet Entwerfgen und Gebäudelehre (Prof. Dr. G. Ebbing) und Beukonstruktion (Prof. G. Giebeler) angeboten.

Prof. Volker Kleinekort bietet, im Zusammenhang mit dem Entwurfsprojekt, ein Seminar zur Entwurfsmethodik an. Der Kurs findet Dienstags, ab dem 10. Oktober je um 09:00h im Raum 327 statt.

 

10. Oktober, 1.) Einfügen als Entwurfsstrategie (Einführungsvorlesung)

17. Oktober, Ortsbegehung / Düsseldorf Garath (Treffen um 10:00h)

24. Oktober, 2.) STRUKTUR  (Rücksprache Städtebau, Modell, M.1000)

07. November, 3.) STRUKTUR 

21. November, 4.) PROGRAMM  (Rücksprache Nutzungsprogramme)

12. Dezember, 5.) PROGRAMM

16. Januar, 6.) FUNKTION  (Rücksprache Nachverdichtung, Gebäudemodell, M.100 / 50)

06. Februar, 7.) FUNKTION 

LEISTUNGEN
Teilnahme an den Diskussionsrunden der drei Arbeitsschritte.

 

 

 


RÜCKBLICK - Programm des letzten Semesters
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STADTUMBAU

Wintersemester 2016/2017. Projekt in Kooperation mit dem Lehrgebiet Sicherung und nachhaltige Entwicklung historischer Stadt- und Kulturlandschaften (Prof. Dr. Michael Kloos) und dem Lehrgebiet für Entwerfen und Gebäudelehre (Prof. Dr. Georg Ebbing).

Modul M500, Einfügen. Entwerfen mit Bestand
REVISION DER MODERNE- Adaption und demographische Entwicklung des Siedlungsbaus der Nachkriegsmoderne.

Thema
Moderne Siedlungen (der sog. Nachkriegsmoderne der 50er- 70er Jahre) werden einem zeitgenössischen Stadtbegriff folgend meist als anti-urban empfunden. Entgegen dem aktuellen Leitbild sind sie nicht dicht, durchmischt und vielfältig. Stattdessen folgen sie in ihren Zeilenbauten dem funktionalistischen Leitbild nach „Luft und Sonne“. Sie sind meist monostrukturell, sowohl in der Architektur als auch in der sozialen Zusammensetzung ihrer Bewohner. Der Grünraum ist der neutrale Hintergrund einer Architektur als Objekt, oft sind dies schlicht ungenutzte „Resträume“. Diese Siedlungen sind nicht nur im Hinblick auf das städtebauliche Leitbild sondern auch hinsichtlich ihrer Bausubstanz und oft ihrer Bewohner in die Jahre gekommen. Aus der oft negativen Wahrnehmung dieser Form von Stadtstrukturen heraus werden sie vielerorts abgerissen. Im Falle einer Sanierung erfolgt diese oft nur nach energetischen Aspekten. Dabei werden die Siedlungen als autarke Einheiten, isoliert als Architektur, nicht als Städtebau gehandhabt. Mit beidem, dem Abriss, wie auch der rein architektonischen Gebäudesanierung wird man dem Potential dieser Siedlungen als Stadträume nicht gerecht.
Denn im Gegensatz zum aktuellen Trend einer „low rise – high density“ Entwicklung mit großen Wohneinheiten auf minimierten Grundstücken bieten die inzwischen historisch gewordenen Siedlungen große Grünflächen und Freiräume. Insbesondere diesen unternutzten Freiflächen kommt ein besonderes Potential auf veränderte Nutzungsformen zu, die sich in der Architektur ergänzen und umbauen lassen. An diesen Bestandsstrukturen soll das Grundprinzip des Einfügens in Fallbeispielen diskutiert werden.

Ort
Im Westen der Stadt Radebeul befindet sich in regional guter Lage die Siedlung 'Köstitzer Straße' aus den 60 bis 70er Jahren. Die Gebäude sind nach Auskunft der Wohnungsbaugesellschaft in ordentlichem, größtenteils unrenoviertem Zustand, die öffentlichen bzw. teilöffentlichen Flächen sind teilweise gepflegt, wenn auch ungenutzt bzw. deutlich unternutzt. Besondere Räume mit Aufenthaltsqualität sind nicht vorhanden, auch das Potential der vorteilhaften Feldrandlage zum großzügigen Freiraum der Elbe wird nicht ausgeschöpft.

Aufgabe
Unter dem Themenfeld der Adaption und der demographischen Entwicklung des Siedlungsbaus der Nachkriegsmoderne, erarbeitet jeder Teilnehmer Strategien zur Nachverdichten auf Nachbarschaftsebene („Stadtumbau Detail“ 1:500) und entwickelt Lösungen zur Zukunftsfähigkeit der Wohngrundrisse im Bestand ( „Stadtumbau Typologie“ 1:200).



Die Teilnehmer erarbeiten zunächst, basierend auf einer selbst entwickelten Stadtumbaustrategie, ein zeitgemäßes Nutzungsprogramm für diesen besonderen Standort unter der Zielsetzung der Nachverdichtung. Betreut durch die wöchentlichen Studio-Kritiken wird dieses Programm in einem weiteren Arbeitsschritt in einen zeitgemäßen und nachhaltigen Stadtraum und seine Architektur übersetzt.

Die Fragestellungen die das Projekt inhaltlich begleiten sind: Was sind die Potentiale des Standortes und was seine Probleme hinsichtlich der gestellten Thematik? Wie lassen sich in einer homogenen Siedlungsstruktur neue Nutzungen und Programme implantieren? Was kann, unter den genannten Parametern als tragfähiges Konzept für den Entwurf dienen? Was für Typologien des Wohnens sind Bausteine um das eigene Konzept zu fördern, und wie setzt man diese unter Berücksichtigung der Bestandsbauten um?

Seminare
Die Fächer Entwurfsstrategie (M511) und Bauen mit Stadt+Typologie (M512) sind in das Projekt integriert. Dabei wird, aufbauend auf der Recherche zu den Möglichkeiten der demographischen Grundrissanpassungen eine Broschüre zu typologischen Fragen des Wohnungsbaus im Bestand der 50er und 60er Jahre erarbeitet.


In Seminarform wird von den Teilnehmern neben einem Impulsreferat ein Entwurfsprojekt (betreut) erarbeitet welches sich in ihrer Struktur an einem Stadtumbauprozess (Analyse, Programmatik, Entwurf, Planvorlagen, politische Gremien) orientieren. 
Der Schwerpunkt liegt dann im Folgenden auf der Entwicklung typologischer Lösungen zur Adaption und Erweiterung der Wohnungsbauten in der Siedlungsstruktur der Nachkriegsmoderne.


Qualifikationsziele
Es soll darum gehen die Fähigkeit zu erlangen, über das bloße Einzelobjekt (Architektur) hinaus im komplexen Kontext (Stadt) zu denken und zu entwerfen. Die Entwicklung eines Konzeptes welches Antworten auf gestellte und selbst entwickelte, aber dem Standort und seinem räumlich- gesellschaftlichen Kontext inhärenten Fragen gibt, steht im Zentrum der Aufgabe. Beispiele einer solchen Fragestellung können sein wie „ich (Teil) Öffentlichkeit in ein vorwiegend durch das Private gekennzeichnete Wohngebiet bringen kann“, „wie sich der Wohnungsbestand der Nachkriegszeit an unsere gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen lässt“ oder auch, „wie lässt sich ein vor allem durch privaten Raum geprägtes Wohngebiet in den umgebenden Stadt- und Landschaftsraum integrieren?“ – Und vor allem, „Was bedeutet Einfügen in bestehende Strukturen?“ In bauliche, infrastrukturelle und auch sozialräumliche.

Leistungen (Änderungen vorbehalten!)
Städtebaulicher Rahmenplan – Quartier
> Strukturplan 1:2000/1:1000 (Schwarzplan)
> Lageplan im M 1: 1000 mit Darstellung (Detailebene) 1:500
der Baukörper, deren Geschossigkeit und Dachausbildung, der öffentlichen und privaten Freiflächenqualitäten, der Erschließung (innere und plangebietsübergreifende Wegebeziehungen)
der Flächen und baulichen Anlagen für den ruhenden Verkehr (einschl. Besucherstellplätze)
der Hauseingänge Anzahl der realisierten Einheiten
> Darstellung der städtebaulichen Grundidee (Piktogramme)
> Schemaquerschnitt und Ansicht, M 1:500
> Räumliche Darstellung eines Teilbereiches in einer frei zu wählenden Darstellungsform
Gebäudeplanung – Typologie
> Darstellung eines typischen gebäudeplanerischen Ausschnitts, aus dem der integrative Planungsansatz deutlich hervorgeht, im M 1:200/1:100 Grundrisse EG mit Aspekten der Freiraumqualitäten, Schnitte, Ansichten
> Berechnungen der BGF, GRZ, GFZ im Verhältnis zu den Wohneinheiten (Bestand / Neubau)
(Betrachtung zur Nachhaltigkeit> DGNB Kriterien – Neubau Stadtquartiere, besonders Soziokulturelle- und Prozessqualität)
(Bauleitplanung – Verfahren entwerfen > Den Weg zum Bebauungsplan entwickeln und die Textlichen Festsetzungen konzipieren.)
Städtebauliches Modell – Gesamtquartier
> Massenmodell im Kontext in 1:500 / 1:1000 (ggf. Gruppenarbeit)
Gebäude Modell – Typologie Studien
> Grundrissmodell von z.B. Aufstockungen / Umbauten in 1:200/1:100/1:50

 

Bibliographie
(Auswahl zum Projekt)
Feiersinger, Elise (Hrsg.): Bestand der Moderne – Von der Produktion eines architektonischen Werts, Park Books, Zürich, 2012

Kleinekort, Volker / Schmeing, Astrid, Die Siedlung in der Stadt - Umformulierung eines ungeliebten Raummodells, Jovis Verlag, Berlin, 2016

Mäckler, Christoph (Hrsg.): Stadtbild und Energie - Nachhaltige Stadtentwicklung, Kettler Verlag, Dortmund, 2014

Pasel, Ralf / Paans, Otto: Situational Urbanism – Directing Postwar Urbanity, Jovis Verlag, Berlin, 2014

Simon-Philipp, Christina (Hrsg.): Wohnungsbau der 50er bis 1970er – Perspektiven und Handlungsoptionen für Quartiere, Wüstenrot Stiftung, 2014

Walk, Sophia: MONO Stadtraumzeitung, No. 01, LST, 2014


(Auswahl zum Begleitseminar)
Feireiss, Lukas: BUILD-ON – Convertetd Architecture and transformed buildings gestalten verlag, 2009

Mooser, Markus et.al.: AUFSTOCKEN - Verdichten, Sanieren
Birkhäuser Verlag, 2011

(zum Themenfeld)

ARCH+, No.: 203, aus 2011, Planung und Realität

www.archplus.net/home/archiv/ausgabe/46,201,1,0.html

Bauwelt, "Große Aussichten"

www.bauwelt.de/Grosse-Aussichten-2197710.html

Filmtrailer zu  "The Pruitt-Igoe Myth":

https://vimeo.com/18356414

Debatte zu Großsiedlungen:

bkult.de/de_D/976.gehoeren_grosswohnsiedlungen_zur_europaeischen_stadt