Zurueck

Entwurfsprojekt

Verdichten und Ergänzen
Sommersemester 2018. Projekt in Kooperation mit dem Lehrgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen, Prof. Sascha Luippold, Lehrauftrag: Christoph Grabowski


Thema
Wiesbaden ist beliebt, die Stadt wächst. Bis zum Jahr 2025 15.000 neue Einwohner. Aber diese Entwicklung hat Schattenseiten: Die Wohnungen werden knapp, die Mieten steigen, Studierende wenden sich von der Stadt ab da die Wohnung zum Studienplatz fehlt. Junge Akademiker ziehen ins Umland da das Wohnen dort vermeintlich preiswerter ist. Sie haben aber die Rechnung ohne den erheblichen zeitlichen und ökonomischen Aufwand des Pendelns gemacht, von einer ökologisch und gesellschaftlich unzeitgemäßen Lebensweise ganz zu schweigen.

Die in den letzten Jahren erfolgte Neuausweisung von privatem Wohnraum (Wiesbaden Bierstadt Nord, u.a.) kann nur einen kleinen Teil des Bedarfs, zumal für eine spezifische Nutzergruppe, decken. Aber der Bau neuer Siedlungen und Wohngebiete ist schon aus Sicht der Nachhaltigkeit gar keine Alternative.

Nachverdichtung bestehender Stadtstrukturen ist ein wichtiger Planungsaspekt - dadurch entstehen wichtige Impulse für die Stadt. Denn die so entstehenden Quartiere sind bereits in den städtischen Kontext integriert, Nachbarschaften durchmischen sich neu, Identifikations- und Integrationsaspekte sind besser steuerbar als in homogenen Siedlungen, die Bewohner „gleichen Alters und Status“ haben. Aber wie dicht kann Innenwachstum werden?

Ort
Das Planungsgrundstück befindet sich an der Wiesbadener Straße und wird zur Zeit durch ein ehemaliges Industrieareal (Papierfabrik Ludwig Clemens) belegt, dessen Nutzung seit 2013 aufgegeben ist. Zwischen Wiesbaden und Mainz, in direkter Nähe zum Rhein, kann dieser Standort als Wohnquartier entwickelt werden.

Aufgabe
Die Teilnehmer erarbeiten ein zeitgemäßes Nutzungsprogramm unter den Anforderungen des „gemischten Wohnens“ für diesen besonderen Standort in Verbindung zu den bestehenden Bebauungsstrukturen. Betreut durch die wöchentlichen Studio-Kritiken wird dieses Programm in einem weiteren Arbeitsschritt in einen zeitgemäßen und nachhaltigen Stadtraum und seine Architektur übersetzt. Die Fragestellungen die das Projekt inhaltlich begleiten sind: Was sind die Potentiale des Standortes und was seine Probleme hinsichtlich der gestellten Thematik? Was kann, unter den genannten Parametern als tragfähiges Konzept für den Entwurf dienen? Was für besondere Typologien des Wohnens sind Bausteine um das eigene Konzept zu fördern, und wie setzt man diese für studentisches Wohnen und junge Familien um?

(Bitte beachten Sie die detailierte Aufgabenstellung auf dem Server Stud.IP.)

Abgabeleistungen
• städtebauliche Analyse des Bestandes in freier Darstellung
• städtebauliches Konzept und Nutzungskonzept in freier Darstellung
• Lageplan 1:500, Darstellung mit Umfeld
• Schnitte und Ansichten 1:200
• Grundrisse 1:200
• architektonisches Konzept in freier Darstellung
• Umgebungsmodell 1:500, Modell 1:200
• Präsentation in freiem Planformat sowie Abgabe von pdf-Dateien auf CD.

Die Arbeiten werden an den Plänen, Modellen und dem Kolloquium im Hinblick auf  innovative Lösungen der Aufgabe unter Anwendung folgender Kriterien durch die Prüfer gemeinsam begutachtet und bewertet:

1. Urbanistische Qualität (Qualität der Quartiersstruktur sowie der Neubauten im städtischen Kontext vs. Signifikanz, Raumqualität)
2. Architektonische Qualität (äußere Formgebung und Aussage, Innenräume, Atmosphären, Aufenthaltsqualität, Erlebbarkeit und Nutzungsvielfalt der Wohneinheiten und der Freiflächen)
3. Funktionalität (Angebote und Nutzungsprogramme, äußere und innere Erschließung, Zusammenhang zwischen Altbestand und Neubau)

Termine (Änderungen vorbehalten)

Mittwochs, 11:45 Uhr auf der Galerie im 1.OG (D214 G)

Mi. 04. April, Einführungsvorlesung und Gruppenbildung

Mi. 11. April, Entwurfsworkshop in Gruppen

Mi. 25. April, Exkursion nach Tübingen

Mi. 16. Mai,  Testat: (Zwischenpräsentation 1, zum Städtebau)

Mi. 20. Juni, Testat: (Zwischenpräsentation 2, zum Wohnungsbau)

Mi. 18. Juli, Abgabe digital (StudIP) (ohne Modell)

Mi. 25. Juli, Abschlusspräsentation               

Die Projektbetreuungen wechseln wöchentlich jeweils in den Gruppen von Prof. V. Kleinekort, Prof. S. Luippold und Christoph Grabowski. Die Zwischentestate sind zwingende Voraussetzungen für die weitere Bearbeitung.



Literatur
(Hrsg.) ACTAR, Barcelona, 2010: Total Housing - Alternatives to Urban Sprawl

Claus, Felix + Altiok, Medine: Lehre und Typus – Beispiele, Texte und Übungen zum Wohnen in der Stadt, Zürich, 2011

Chiffre, Lorenzo: Kultivierung des Gewöhnlichen, in: Drei Häuser in Wien, Sergison bates, Park Books, 2014

Ebbing, Georg: Der Eckgrundriss, Niggli Verlag, 2014

Faller, Peter: Der Wohngrundriss, Berlin, 2002

Harlander, Tilman: STADTWOHNEN, DVA München, 2007

Imhof, Lukas; Sik, Miroslav: Midcomfort, Ambra Verlag, 2013

Kleinekort, Volker, et.al.: Neuer Städtebau, Hrsg. Karl Krämer Verlag, Stuttgart, 2008

Kleinekort, Volker; Schmeing, Astrid: Die Siedlung in der Stadt, JOVIS Verlag, Berlin, 2016

(Hrsg.) kraemer Verlag: Neues Wohnen in der Stadt, Stuttgart, 2012

Komossa, Susanne: The Dutch urban block and the public realm, Vantilt, Rotterdam, 2011

Meier, Herrman: EUROPAN 9  - European Urbanity, NAI Publishers, 2008 (siehe auch www.europan.de)

Schneider, Friederike: Grundrissatlas Wohnungsbau, 4. Auflage, Basel, 2011

Schramm, Helmut: Low Rise – High Density, Horizontale Verdichtungsformen im Wohnungsbau, Wien, 2008

Kraft, Sabine: Die Grundrißtableaus. In: ARCH+ 176, Wohnen, Aachen, 2006, S. 51ff.

Wüstenrot Stiftung [Hrsg.):  Wohnvielfalt. Gemeinschaftlich wohnen – im Quartier vernetzt und sozial orientiert. Ludwigsburg 2017