Zurueck

Entwurfsprojekt

KASTEL HOUSING, WIESBADEN
Sommersemester 2017. Projekt in Kooperation mit dem Lehrgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen, Prof. Sascha Luippold, Lehrauftrag: Christoph Grabowski

Projekt D. Stadt und Raum. In das Projekt ist das Fach PN1404, 'Stadt und Energie' als Teilleistung integriert.


Thema
Wiesbaden ist beliebt, die Stadt wächst. Bis zum Jahr 2025 15.000 neue Einwohner. Aber diese Entwicklung hat Schattenseiten: Die Wohnungen werden knapp, die Mieten steigen, Studierende wenden sich von der Stadt ab da die Wohnung zum Studienplatz fehlt. Junge Akademiker ziehen ins Umland da das Wohnen dort vermeintlich preiswerter ist. Sie haben aber die Rechnung ohne den erheblichen zeitlichen und ökonomischen Aufwand des Pendelns gemacht, von einer ökologisch und gesellschaftlich unzeitgemäßen Lebensweise ganz zu schweigen.

Die in den letzten Jahren erfolgte Neuausweisung von privatem Wohnraum (Wiesbaden Bierstadt Nord, u.a.) kann nur einen kleinen Teil des Bedarfs, zumal für eine spezifische Nutzergruppe, decken. Aber der Bau neuer Siedlungen und Wohngebiete ist schon aus Sicht der Nachhaltigkeit gar keine Alternative.

Nachverdichtung bestehender Stadtstrukturen ist ein wichtiger Planungsaspekt - dadurch entstehen wichtige Impulse für die Stadt. Denn die so entstehenden Quartiere sind bereits in den städtischen Kontext integriert, Nachbarschaften durchmischen sich neu, Identifikations- und Integrationsaspekte sind besser steuerbar als in homogenen Siedlungen, die Bewohner „gleichen Alters und Status“ haben. Aber wie dicht kann Innenwachstum werden?

Ort
Das Planungsgrundstück befindet sich an der Wiesbadener Straße und wird zur Zeit durch ein ehemaliges Kasernenareal belegt dessen Nutzung aufgegeben ist. Die Lage ist eine räumlich gute Lage zwischen Wiesbaden und Mainz in direkter Nähe zum Rhein.

Aufgabe
Die Teilnehmer erarbeiten ein zeitgemäßes Nutzungsprogramm unter den Anforderungen des „gemischten Wohnens“ für diesen besonderen Standort in Verbindung zu den bestehenden Bebauungsstrukturen. Betreut durch die wöchentlichen Studio-Kritiken wird dieses Programm in einem weiteren Arbeitsschritt in einen zeitgemäßen und nachhaltigen Stadtraum und seine Architektur übersetzt. Die Fragestellungen die das Projekt inhaltlich begleiten sind: Was sind die Potentiale des Standortes und was seine Probleme hinsichtlich der gestellten Thematik? Was kann, unter den genannten Parametern als tragfähiges Konzept für den Entwurf dienen? Was für besondere Typologien des Wohnens sind Bausteine um das eigene Konzept zu fördern, und wie setzt man diese für studentisches Wohnen und junge Familien um?

Qualifikationsziele
Es soll darum gehen die Fähigkeit zu erlangen, über das bloße Einzelobjekt (Architektur) hinaus im komplexen Kontext (Stadt) zu denken und zu entwerfen. Die Entwicklung eines Konzeptes welches Antworten auf gestellte und selbst entwickelte, aber dem Standort und seinem räumlich- gesellschaftlichen Kontext inhärenten Fragen gibt, steht im Zentrum der Aufgabe. Beispiel einer solchen Fragestellung kann sein wie „ich (Teil) Öffentlichkeit in ein vorwiegend durch das Private gekennzeichnete Wohngebiet bringen kann“, oder auch, „wie lässt sich ein vor allem durch privaten Raum geprägtes Wohngebiet in den umgebenden Stadtraum integrieren?“

Programm
Durch das Projekt soll in der gestellten Thematik den Fragen des Maßes der möglichen Dichte nachgegangen werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Suche nach zeitgenössischen Wohnformen, die Möglichkeiten abseits der am Markt häufig anzutreffenden Lösungen „WG“ oder „Studentenwohnheim“ darstellen. Das Ziel ist es dabei gesellschaftliche Formen des Miteinanders architektonisch zu artikulieren. Dabei ist der Titel des Wettbewerbs Programm: Es geht nicht um die Schaffung neuer großer „Studentenburgen“, sondern um die Entwicklung gemischter Quartiere für Jung und Alt und für eine Mischung von gefördertem und freifinanziertem Wohnungsbau.

Die besondere Aufgabenstellung an diesem Standort in Wiesbaden ist, differenziert auf gewachsene Strukturen einzugehen, funktionierende Quartiere weiterzuentwickeln, auf beeinträchtigende Umweltfaktoren zu reagieren und in besonderer Weise die vielfältigen Bedürfnisse jüngerer und älterer Bewohnerinnen und Bewohner zu berücksichtigen. Im Ergebnis sollen quartiers- integrierte neue Wohnangebote mit neuen Wohnformen von hoher städtebaulicher Qualität entstehen.

 

STUDENTENWETTBEWERB
Für das Projekt „KASTEL HOUSING“ lobt die Landeshauptstadt Wiesbaden gemeinsam mit der SEG einen Studentenwettbewerb aus. Im Anschluss an die Abschlusspräsentation wird eine Jury die Arbeiten unabhängig bewerten. Eine Ausstellung der besten Arbeiten im Rathaus der Stadt Wiesbaden ist geplant. Der Wettbewerb ist offen für alle Teilnehmer des PD Projektes der HSRM und Studenten der Hochschule Darmstadt (hd_a) und der Hochschule Frankfurt. Die Wettbewerbsabgabe (2 A1 nach Layoutvorgabe und Modell) ist am 06. September 2017. Das Preisgeld beträgt 1800,- Euro.Die genaue Auslobung finden Sie auf dem Server der Hochschule (StudIP).


Leistungen Entwurfsprojekt
(Änderungen vorbehalten!)
Die erste Entwurfsbesprechung findet nach dem Workshop mit einem ersten „räumlichen Entwurfsansatz“ verbindlich an einem Arbeitsmodell (Maßstab 1:500/1000) statt!  Dieses Modell begleitet das Projekt in seinen Entwicklungsstufen durch das Semester.

1.) Lageplan (Schwarzplan Maßstab 1:1.000) unter Einbeziehung weiteren Umgebung sowie der Stadt-und Landschaftsräumlichen Einbindung des Areals (Topographie, Gewässer etc.). Erläuternde Piktogramme zur Darstellung stadträumlicher Parameter (z.B. Schwarzplan/Struktur, Verkehr, Freiträume etc. sind erwünscht.
2.) Quartiersschnitte (Maßstab 1:500) zur Vermittlung von Stadt- und Landschaftstopographie sowie Darstellung der wichtigsten öffentlichen Räume.
3.) Grundrisse, Schnitte, Ansichten der Baukörper (Maßstab 1:200) incl. aller Außenanlagen im EG.

Vorgabe zu Effizienz der Wohneinheiten: BGF / HNF min 80%  /  Vorgabe Suffizienz: WFL pro Kopf max. 30qm bei einem Wohnungsmix von: 30% Ein bis Zwei-Zimmer-Wohnungen (35qm - 55qm), 45% Drei-Zimmer-Wohnungen (Familien; 65qm - 80qm), 25% Vier- bis - fünf Zimmer-Wohnungen (WG’s; 90qm - 120qm). Dazu ist ungefähr die Hälfte der Wohnungen barrierefrei auszubilden – Vgl.: DIN 18040 Teil 2

4.) ein bis zwei perspektivische Präsentations-Darstellungen zur Verdeutlichung der räumlichen, atmosphärischen und architektonischen Qualitäten.
5.) Abgabemodelle (Quartier 1:1000  //  Gebäudemodell Maßstab 1:200)
6.) Integrationsleistung Bauleitplan (s.u.) sowie Sonnenstudie und Energiekonzept (s.u.)

Die Arbeiten werden an den Plänen, Modellen und dem Kolloquium im Hinblick auf  innovative Lösungen der Aufgabe unter Anwendung folgender Kriterien durch die Prüfer gemeinsam begutachtet und bewertet:

1. Urbanistische Qualität (Qualität der Quartiersstruktur sowie der Neubauten im städtischen Kontext vs. Signifikanz, Raumqualität)
2. Architektonische Qualität (äußere Formgebung und Aussage, Innenräume, Atmosphären, Aufenthaltsqualität, Erlebbarkeit und Nutzungsvielfalt der Wohneinheiten und der Freiflächen)
3. Funktionalität (Angebote und Nutzungsprogramme, äußere und innere Erschließung, Zusammenhang zwischen Altbestand und Neubau)


Termine
(Änderungen vorbehalten!)

Mi. 05. April, 14:00h, Einführung und Gruppenbildung, Themenvergabe der „Stadtrecherchen“ in den Gruppen und Ortsbegehung. Pflichttermin!

Mi. 12. April, Entwurfsworkshop + Rückfragekolloquium zum Wettbewerb

Mi. 26. April, Projektbetreuung am ersten Entwurfsmodell (1:1000)

Mi. 10. Mai, Testat: Struktur (Zwischenpräsentation 1, zum Städtebau)

Mi. 07. Juni, Testat: Typologie (Zwischenpräsentation 2, zum Wohnungsbau)

Mi. 12. Juli, Testat: Projekt (Zwischenpräsentation 3, zur Fassade und Konstruktion)

 

Die Projektbetreuungen wechseln wöchentlich jeweils in den Gruppen von Prof. V. Kleinekort,  Prof. S. Luippold und Arch. Christoph Grabowski. Die Zwischentestate sind zwingende Voraussetzungen für die weitere Bearbeitung. Die Präsentation und Abgabe der Arbeiten findet voraussichtlich in den letzten Wochen des Sommersemesters, im September 2017 statt.


I
ntegration
Im Rahmen des Begleitfaches „Integration - Stadt und Energie“ werden zwei den Städtebau stark beeinflussende Parameter integrativ an der konkreten Entwurfsaufgabe betrachtet: Die Bauleitplanung als demokratischer Prozess und das Stadtklima als ortsspezifische Planungsgröße.

Bauleitplanung
Städtebauliche Entwürfe werden wesentlich durch wirtschaftliche und politische Faktoren beeinflusst. Städtebau ist im Gegensatz zur Architektur grundsätzlich politisch. Das Recht auf Freiheit nimmt in den westlichen Demokratien einen vergleichsweise hohen Stellenwert ein. So liegt das politisch Verhandelbare stets nahe am kleinsten gemeinsamen Nenner der zur Entscheidung berechtigten Öffentlichkeit. Aber wer macht eigentlich die Stadt? Das Stadt keine Ansammlung von Architektur ist wird jeder ahnen – wie aber entstehen die Prozesse die zur Stadt führen? Wer sind die Entscheidungsträger? Oder um mit Lucius Burckhardt zu fragen „Wer plant die Planung“? Diesen Dingen wollen wir in der Integration nachgehen.

In Seminarform wird von den Teilnehmern ein Bauleitplanverfahren (betreut) konzipiert welches sich in seiner Struktur an einem Stadtplanungsprozess (Entwurf, Planvorlagen, politische Gremien) orientiert. Die Vorträge und Tischgespräche ergänzen die eigene Studienarbeit inhaltlich und strukturell ebenso nach dem Vorbild eines Städtebaulichen Projektverlaufes. Im Semesterverlauf erarbeiten die Teilnehmer, parallel zum Entwurfsprojekt, ein dem Bebauungsplan ähnliches Planwerk. Die Zwischenergebnisse fließen in die Projektarbeit des Semesterentwurfs ein.

Stadtklima
Als Folge des menschlichen Eingriffs in die Landschaft verändern urbane Strukturen das Mikro- und Mesoklima des Ortes nachhaltig. Erwärmung an heißen Sommertagen spielt hier die größte Rolle, verursacht durch die Maßen an Beton und Asphalt, aber auch Veränderung von Wasserkreisläufen oder Luftbewegungen durch Flächenversiegelung und Gebäudetopographie sind evident. Wie aber kann die Stadt naturverträglicher gestaltet werden? Wie könne Siedlungsstrukturen klimafreundlich organisiert werden? Diesen Fragen wollen wir nachgehen und dabei auch die Frage von Belichtungsmöglichkeiten und Besonnungsverhältnissen der Gebäude im städtischen Kontext genauer untersuchen. Dazu wird das eigene Projekt anhand einer Sonnenstudie über den Jahresverlauf genauer untersucht. Für das geplante Quartier wird darüber hinaus ein Versorgungs- und Energiekonzept erstellt das, wie die Sonnenstudie, als Abgabebestandteil in das Semesterprojekt integriert wird.

Format
In Seminarform werden die Inhalte in kleinen Vorträgen und Tischgesprächen besprochen, worauf sie am eigenen Projekt überprüft und als integrierte Abgabeleistung ausgearbeitet werden. Die Themen sind:

Einführung, Bauleitplanung, Akteure der Stadtplanung, Vom Wettbewerb zum Planungsrecht, Der Bebauungsplan, Stadtklima, Besonnungsstudien, Versorgungs- und Energiekonzepte auf Quartiersebene.


Bibliographie


(Hrsg.) ACTAR, Barcelona, 2010

Total Housing - Alternatives to Urban Sprawl

Claus, Felix + Altiok, Medine

Lehre und Typus – Beispiele, Texte und Übungen zum Wohnen in der Stadt, Zürich, 2011

Chiffre, Lorenzo
Kultivierung des Gewöhnlichen, in: Drei Häuser in Wien, Sergison bates, Park Books, 2014

Durth, Werner und Sigl, Paul

Baukultur – Spiegel gesellschaftlichen Wandels, Berlin, 2009

Ebbing, Georg
Der Eckgrundriss, Niggli Verlag, 2014

Faller, Peter

Der Wohngrundriss, Berlin, 2002

Harlander, Tilman

STADTWOHNEN, DVA München, 2007

Imhof, Lukas; Sik, Miroslav
Midcomfort, Ambra Verlag, 2013

Kleinekort, Volker, et.al.,

Neuer Städtebau, Hrsg. Karl Krämer Verlag, Stuttgart, 2008

Kleinekort, Volker; Schmeing, Astrid
Die Siedlung in der Stadt, JOVIS Verlag, Berlin, 2016

(Hrsg.) kraemer Verlag
Neues Wohnen in der Stadt, Stuttgart, 2012

Komossa, Susanne

The Dutch urban block and the public realm, Vantilt, Rotterdam, 2011

Meier, Herrman

EUROPAN 9  - European Urbanity, NAI Publishers, 2008 (siehe auch www.europan.de)

Schneider, Friederike

Grundrissatlas Wohnungsbau, 4. Auflage, Basel, 2011

Schramm, Helmut

Low Rise – High Density, Horizontale Verdichtungsformen im Wohnungsbau, Wien, 2008

Kraft, Sabine

Die Grundrißtableaus. In: ARCH+ 176, Wohnen, Aachen, 2006, S. 51ff.